Italienische Nacht

23.08.2025

Bericht vom Team „Karniner Kulturkram e.V”

Ein Abend zwischen Hagel, Gewitter und Sonne – Usedom, 23. August 2025

Wenn man ein Open-Air-Konzert im August plant, malt man sich das Bild vom perfekten Sommerabend aus: Die Sonne versinkt im Wasser, das Licht färbt den Himmel goldrot, und Musik erfüllt unseren Hofpark – besonders wenn es eine italienische Nacht werden soll…

Genau so haben wir es uns vorgestellt. Die Realität aber hatte andere Pläne.

Wir zittern immer vor einer Open Air Veranstaltung. Dieses Mal zeigte schon 6 Wochen vorher die Wetterprognose genau an den Tage um das Konzert Regen an, wo es vorher und nachher trocken und warm sein sollte.

Ja, aber es ist nur eine Prognose, beruhigten wir uns. Das ändert sich!

Eine Woche vorher änderte sich jeden Tag die Wettervorschau, irgendwann resignierten wir: dann ist das eben so, wir können es nicht ändern – aber die Angst und Sorge blieb.

Wir wollen nicht zum Schlechtwetter-Ausweichort, der Kirche in Mönchow. Die Atmosphäre, die Stimmung, die Möglichkeiten für eine italienische Nacht wären dahin.

Wir entscheiden uns einen Tag vorher in unserem Hofpark zu bleiben. Es sollte abends zumindest nicht mehr regnen, aber sehr kalt sein.

Es kam dann schlimmer als voraus gesagt…

Schon beim Aufbau ahnten wir, dass der Himmel launischer war als jede Diva. Es fing an zu regnen „Das geht vorbei“, sagte jemand beschwichtigend – und dann brach ein Gewitter los, das jedes Wagner-Drama übertroffen hätte. Donner, Regen, Hagel!

Für einen Moment lag eine bleierne Stille über uns – nicht vom Himmel, sondern in unseren Köpfen. Die Angst, dass niemand kommen würde. Die Sorge, dass die Musiker sich weigern zu spielen wegen ihrer wertvollen Instrumente.

Und immer diese Frage: Was, wenn es ein finanzielles Fiasko wird? Doch dann – ein Riss im Grau.

Ein Strahl Sonne, zögerlich, fast schüchtern. Es hörte auf zu regnen. Kalt blieb es, ja. Aber trocken.

Und das war plötzlich mehr, als wir uns noch zu hoffen getraut hatten.

Und dann geschah etwas, das uns alle überraschte: Sie kamen. Die Menschen. Erst vereinzelt, dann in Grüppchen, mehr als wir bei diesem Wetter und der Kälte erwartet hatten.

Gut vorbereitet, warm angezogen, teilweise mit Decken unter dem Arm und mit Lust auf diese sibirische italienische Nacht. Noch einmal fing es kurz an zu regnen und dann war es wirklich trocken und die Sonne schien. Wir verteilten Decken an die Gäste in der Hoffnung, dass sie blieben.

Und plötzlich war da etwas in der Luft, das man nicht planen kann: Dankbarkeit und fast ein bisschen Trotz gegen alle Widrigkeiten.

Eine stille Verbindung zwischen dem Orchester und denen im Publikum durch die italienische Evergreens, die alle kennen.

Es war kein warmer Sommerabend, wie wir ihn uns erträumt hatten. Aber es war ein Abend voller Wärme. Wärme, die von Menschen kam, die trotz Kälte, Regen und Hagel gekommen sind und dabei bleiben wollten. Wärme, die in der Musik lag, die sich über alles hinwegsetzte. Wärme, die blieb, als wir später einander ansahen – erschöpft, aber glücklich. Am Ende standen die Leute auf, klatschten, baten um Zugaben und genossen.

Und wir wussten: Dieser Abend wird uns und den Gästen in Erinnerung bleiben, nicht trotz, sondern wegen des Wetters.